Hier berichtet unsere "WM-Fliege" Ronny Beblik täglich
seine Eindrücke aus Mailand von seiner zweiten WM-Teilnahme.
Sonntag, 13.9.2009:
Bewegendes „Arrividerci“ auf
dem WM-Siegerpodest
Ich muss gestehen, das ging unter die Haut. Zur Siegerehrung
noch einmal in den Ring klettern zu können, in dem
ich mir meinen Traum von einer WM-Medaille erfüllen
konnte. Auch wenn nach dem klaren Finalsieg von Mc Williams
schon ein bisschen mehr Wehmut über das knappe Scheitern
gegen ihn dabei war. Aber das stachelt mich für die
kommenden Ziele, wie die EM im kommenden Jahr, umso mehr
an. Arroyo Mc Williams hat mir ja vorm Siegerpodest gestanden,
dass für ihn unser Fight am Freitag das eigentlich
WM-Finale und ich sein schwerster Gegner bei dieser WM
war. Das nehme ich dann schon als schönes Kompliment
mit. Gefreut hab ich mich aus sehr, dass unser Vereinspräsident
Wolfgang Koß extra zum Halbfinale nach Mailand angereist
war.
Es war also ein richtig schöner WM-Abschluss gestern
in Mailand. Die Freudentränen nach dem Viertelfinale
waren schon getrocknet und endlich konnte ich auch meine
Bronzemedaille in der Hand halten. Die kann mir jetzt
niemand mehr nehmen und sie wird gemeinsam mit der WM-Statue
einen Ehrenplatz erhalten.
Das soll nun das Schlusswort aus Mailand sein. Wenn euch
mein Tagebuch ein wenig gefallen hat, dann könnt
ihr mir das gern sagen. Vielleicht ergibt sich ja wieder
mal so eine Gelegenheit, euch auf ein internationales
Turnier ein wenig mitzunehmen. Mir hat’s Spaß gemacht,
„Arrividerci“ in der Heimat, euer Ronny.
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Samstag, 12.12.2009:
Starke „Ultima Ripresa“ von
Mailand Heute ist nun der letzte Tag
der WM gekommen. Und es ist ein tolles Gefühl, auch
da noch mal „ran“ zu müssen, auch wenn es „nur“ zur
Siegerehrung sein wird. Aber mal ehrlich, geträumt
hab ich davon, sonst wär ich hier auch am verkehrten
Platz gewesen. Doch so recht dran geglaubt…? Viel zu viele
Dinge hätten dazwischen kommen können. Aber
die Auslosung war okay, ich war fit und konnte das im
Ring umsetzen, was ich drauf hab. Auch gestern Abend wieder.
Klar, war ich erstmal richtig satt nach dem Kampf. So
knapp am Finale vorbei, das tut im ersten Moment schon
richtig weh. Aber ich kann zufrieden sein mit meinen Turnierleistungen
hier. Ich konnte mich von Kampf zu Kampf steigern. Auch
gestern hatte ich wieder genügend Kraft und Luft
bis zum Schluss und brauchte hinterher kein Sauerstoffzelt.
Vielleicht hätte ich in der letzten Runde noch bissel
mehr Dampf machen sollen? Aber laut Order aus der Ecke
sollte ich weniger schlagen und versuchen, mehr Akzente
zu setzen. Egal jetzt, ich hab eine Medaille und bin glücklich.
Jetzt werd ich erstmal zu Hause bei meiner Familie die
Akkus auffüllen müssen. Ende Oktober steht ja
auch schon wieder die DM an. Da werd ich dann der Gejagte
sein. Nach der WM 2007 in Chicago habe ich vier Wochen
später in Wolfenbüttel ja da keine guten Erfahrungen
gemacht. Mal schaun, wie ich bis dahin wieder fit werde.
Morgen werd ich euch dann „Arrividerci“ aus Mailand sagen.
Ich werd diese WM-Tage immer in guter Erinnerung behalten
und weiß, dass viele mir zu Hause in Deutschland
die Daumen gedrückt haben. Danke, das hat ja geholfen,
wie man sieht. Bis morgen, euer Ronny.
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Freitag, 11.9.2009:
Alle guten Wünsche
begleiten Ronny in den Ring!
Heute Abend um 20.30 Uhr sind wir in Gedanken bei Ronny
im Ring. Sein Halbfinalkampf gegen Arroyo Mc Williams
(Puerto Rico) wird sicher sein schwerster, den er bisher
zu bestreiten hatte. Die gewiss strapaziösen Kämpfe
von Mailand in den Knochen, wird er noch einmal alles
mobilisieren. Und zu Hause drücken viele Freunde
und Fans und natürlich seine ganze versammelte Familie
fest die Daumen. In diesem Sinne: "Mach Dein Ding,
Ronny!" |
Donnerstag, 10.9.2009:
Mein Traum wurde wahr – Danke
fürs Daumendrücken! „Ciao
tutti“ - Es fällt mir wirklich schwer zu beschreiben,
wie es mir heute geht. Aber ihr könnt euch sicher
vorstellen, dass ich im Moment nur glücklich bin.
Wer den Kampf im Internet verfolgt hat, der hat sicher
auch meine Freudentränen kullern sehen. Ja es war
schon ein ergreifender Moment für mich. Danke auch
für die vielen Glückwünsche aus der Heimat.
Endlich werde ich mit der Medaille am Sonnabend etwas
Greifbares in den Händen halten, als Lohn für
all die Mühen und Opfer, die Trennung von meiner
Familie... Das ist schon nicht leicht, da gibt es viele
Momente, wo man sich fragt…. Ja, dafür hat es sich
aber gelohnt. Und ich bin dankbar all jenen, die ihren
Anteil daran haben und mich in irgendeiner Weise unterstützt
und angefeuert haben und immer an mich geglaubt haben!
Ich freu mich sehr darauf, nächste Woche wieder
bei meiner Familie zu sein. Aber erstmal steht morgen
noch ein wichtiger Kampf an. Ich kann ganz ohne Druck
reingehen, alles ist nun nur noch Draufgabe. Ich hoffe,
dass ich um so einen kniffligen Moment wie in Runde eins
am Mittwoch herumkomme. Da hab ich bei dem Körperhaken
schon mächtig schnaufen müssen. Aber ich hab
auf die Zähne gebissen. Ebenso in Runde zwei, als
er mich am Oberschenkelansatz erwischte. Die Verwarnung
hat ihm wohl dann noch den letzten Nerv gezogen. Und in
Runde drei hatte ich noch die nötige Luft, die ich
mir immer gewünscht und im Training geholt habe.
Ja, ich denke, da haben wir vieles schon richtig gemacht.
Es war ja ein bewegtes Jahr mit vielen ungeahnten Veränderungen
im Trainingsumfeld in Heidelberg. Aber irgendwie muss
es doch für was gut gewesen sein.
Bis morgen mach ich mich nun so gut es geht wieder fit.
Am Sonnabend werd ich mich dann hier noch mal melden,
so ich Zeit habe dazu...
Ich hoffe, auch wenn das Internet hier im Hotel die letzte
Woche außer Gefecht war, hat euch mein kleines Tagebuch
ein wenig von der WM rübergebracht. Es war ne willkommene
Abwechslung für mich, da hier doch nicht so viele
Möglichkeiten zur Ablenkung im Hotel bestanden. Aber
ich wollte ja hier auch boxen und nicht Urlaub machen.
Den gönn ich mir dann erstmal kurz zu Hause. Aber
die DM steht ja im Oktober auch schon vor der Tür.
Ich hoffe, wir sehen uns dann zu den Ostdeutschen Meisterschaften
in Chemnitz alle wieder. „Arrividerci“ , euer Ronny.
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Mittwoch, 9.9.2009:
Daumendrücken für
Ronny
Heute steht "lediglich" Daumendrücken
für Ronny auf dem Programm. Kein schwieriges Programm
für seine Fans, aber Ronny wird wie immer sein Bestes
geben. Eine Medaille bei der WM wäre sein großer
Traum. Erfüllen muss er ihn sich allerdings selber.
"Hau rein, Ronny."
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Dienstag, 8.9.2009:
Tja, so könnte es morgen
weitergehen... So, heute kann ich mich
wieder bei euch melden. Zwar ist das Internet hier immer
noch im Winterschlaf, aber per Telefon geht ja auch was.
Heute geht’s mir erstmal richtig gut. Bis auf ein paar
kleine Wehwehchen, aber wofür ist man Boxer. :-)
Und nach einem Sieg sind die auch nur halb so wild, da
überwiegt einfach nur die Freude.
Ich hatte heut ein gutes Gefühl, schon vor dem Kampf.
Es lief auch gleich prima, auch wenn ich manchmal hätte
noch besser über die Führhandseite rausgehen
können. Dass es knapp werden würde, war klar.
Am Ende musste ich auf Nummer sicher gehen, da mich der
Bulgare noch mal kurz vor Schluss getroffen hatte und
ich nen Kopfstoß abbekam. Aber der Zahn ist noch
dran:-) Das hat mich schon bissel irritiert für einen
Moment.
Schön, dass wir Deutschen nun im Viertelfinale noch
zu fünft sind. Und auch unsere Bude ist ja noch komplett
im Rennen. Morgen wird’s natürlich sehr schwer. Ich
hoffe, ich kann mich gut regenerieren. Mal schaun, was
da noch drin ist hier? Eine Medaille wäre sicher
riesig, aber ich setz mich nicht unter Druck. Neuer Kampf,
neues Glück.
Morgen kann ich mich daher nicht für euch melden,
da ich erst abends boxe. Vergesst aber bitte das Daumendrücken
nicht. Dann „Arrividerci“, bis Freitag, euer Ronny.
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Montag, 07.09.2009:
"Blauer Montag"
in Mailand
Heute kann es leider keinen Beitrag aus Mailand geben.
Grund dafür ist, dass sich das Internet im Mailänder
Hotel einen "blauen Montag" genommen hat. Hoffen
wir, dass die Auszeit nicht zu lange andauert und wünschen
wir Ronny für seinen morgigen Kampf "Alles Gute"!
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Sonntag, 06.09.2009:
WM-Kämpfe mit zumeist
fairen Urteilen bisher Heute ist "Bergfest"
hier in Mailand und so langsam setzt das Kribbeln bei
mir wieder ein. Aber das ist gut so. Ich freu mich auf
den nächsten Kampf. Auch dass unser Zimmer noch komplett
im Turnier ist, da Rene Krause heute auch gewonnen hat,
ist prima. Das ist immerhin schon besser als 2007 in Chicago,
als Rustam Rachimov gleich im ersten Kampf die Segel streichen
musste.
Auch wenn Sandro Schaer vom Kampfgericht gegen den Kubaner
heute nicht gerade bevorteilt wurde, so muss ich schon
sagen, dass die Urteile, welche ich gesehen habe, doch
ziemlich fair waren. Vielleicht hat es ja doch was gebracht,
dass man die Kampfrichter über längere Zeit
beobachtet und gezielt für die WM ausgewählt
hat. Mal sehen ob das alles so bleibt?
Auf die neue Punktweise, nur noch klare explosive Hände
zu werten, haben wir uns ja versucht im Training einzustellen:
weniger aber dafür akzentuiertere Aktionen zu schlagen.
Dadurch kommen natürlich auch viel knappere Punkturteile
zustande. Die Zeiten, wo Punktrichter glaubten an der
Klaviertastatur zu sitzen, sind damit erstmal vorbei.
Da fühlt man sich als Athlet dann auch besser und
kann auf ein gerechtes Urteil hoffen. Sicher, Fehlurteile
wird es immer wieder mal geben, aber bei einer WM sollte
das schon nicht passieren. Es kommt halt viel auf die
gute (Doppel-)Deckung an. Da soll ja mein nächster
Gegner nicht schlecht drin sein. Aber es gibt auch Mittel
diese Deckung löchrig zu machen. Darüber wird
ich jetzt mal nachdenken… Bis morgen, euer Ronny
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Samstag, 05.09.2009:
Ich nehm euch mal mit …. zum
Frühsport! :-) Frech, was? Aber
wenn ich hier schon ein Tagebuch schreibe, sollt ihr auch
was davon haben. :-.) Also ihr dürft auch mal morgen,
ja genau, auch zum Sonntag, um 7.30 Uhr aufstehen. Nee,
quatsch, da steht ihr ja schon unten vorm Hotel auf der
Matte. Nicht geschniegelt und gebügelt, aber voller
…? …ja genau Tatendrang. Unsere Coaches Vladimir Pletnev
und Micha Stachewicz sind dann unsere „Vorturner“ und
wollen uns den „Treibsand“ aus den Augen reiben.
Naja nicht jedermanns Sache, aber auch da geht’s durch.
Da lob ich mir die Tage wo ich boxen muss, da biste von
der Aktion befreit.
Nach dem kleinen Frühsport wird dann immer noch der
Tagesablauf im Team besprochen. Danach steht dann das
Frühstück auf dem Programm. Zur Verpflegung
werd ich sicher an einem der nächsten Tage mal noch
was schreiben. Nur soviel: Boxerkost.
Nach dem Frühstück steht dann meist erstmal
Training auf dem Programm. Ansonsten die Zeit vertreiben
oder ich gehe ins Internet und kabele mein Tagebuch über
die Alpen und spreche mit meiner Familie zu Hause. Dann
Mittagessen und wenn’s passt mit zur Halle fahren um die
andren anzufeuern. Aber auch Regeneration steht auf dem
Programm. Da bin ich dann bei unserer Physiotherapeutin
und lass mich mal richtig durchkneten.
Abends bin ich dann meist im Internet, um mich mit meiner
Freundin zu schreiben. So bin ich wenigstens immer auf
dem Laufenden, was zu Hause so passiert. Aber Heimweh
ist nach den mittlerweile drei Wochen auf Achse dennoch
da, nach meinen zwei Kindern und der Familie. Da hilft
nur die Tage zu zählen. :-)
Ansonsten ist hier nicht viel los, das Hotel liegt ja
sehr weit außerhalb der Stadt. Da bleibt keine Zeit
für Stadtbummel oder so. Würde viel zu viel
Zeit beanspruchen, um in die Stadt zu kommen. Da tut bissel
Ablenkung wie das Tagebuch schreiben schon ganz gut…
So, seit einer Stunde müssen wir auf dem Zimmer sein
und jetzt ist es 23 Uhr, Zapfenstreich bei uns. Bis morgen,
euer Ronny.
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Freitag, 04.09.2009:
WM-Auftaktsieg beinahe „verschlafen“
Das ging ja gerade noch mal gut. Nein,
ich meine nicht meinen Sieg. Mit 14:8 ist der ja nach
ausgeglichenen zweieinhalb Runden noch recht deutlich
geworden und ich kann mich richtig freuen darüber.
Aber fast hätte ich meinen ersten WM-Kampf in Mailand
verpennt. Ich hatte den Wecker etwas spät gestellt
und so wurde es bis zur Abfahrt zur Wettkampfhalle ganz
schön stressig für mich.
Aber wer weiß für was es gut war? :-) Ich bin
jetzt erstmal froh, dass ich die erste Nuss geknackt habe.
Und sie war schon ganz schön hart. Aber ich habe
versucht, es ruhig und mit Übersicht anzugehen. Klar,
ich war noch etwas nervös, auch durch seine Aufwärtshaken.
Aber ich hatte genügend Luft und konnte so am Ende
nochmal richtig was drauf packen. Und ein wenig Glück
hatte ich mit der Verwarnung freilich auch, das muss ich
zugeben. Die Verwarnung eine Minute vor Schluss hat dem
Weißrussen sichtlich den Zahn gezogen und ich konnte
meine Vorteile auf der Distanz deutlich ausspielen.
Die Vorbereitung auf den Kampf verlief gut. Ich hatte
am Donnerstag noch mal drei Runden gegen einen Chinesen
gesparrt. Das lief richtig gut. Ich war explosiv und schnell
auf den Beinen. Aber Wettkampf und Sparring sind eben
zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich bin froh, was zur guten
Stimmung im Team beigetragen zu haben. Ich hoffe, wir
können die noch eine Weile so behalten. Das lässt
auch die Trennung von zu Hause um einiges leichter ertragen.
Achja, vielen Dank für die Glückwünsche
aus der Heimat und das Daumendrücken!! Ihr könnt
euch jetzt bis Dienstag mal zurücklegen. Ich werd
auch erstmal bissel regenerieren und die Speichervorräte
wieder auffüllen. Meinen nächsten Gegner habe
ich mir aber noch nicht angeschaut. Ich weiß nur,
dass es ein Bulgare ist, der aus sehr geschlossener Deckung
boxt. Bisher soll er noch ohne WM-Gegentreffer sein. Das
sagt zwar einiges, aber das wird nicht so bleiben. Darauf
könnt ihr euch verlassen. „Arrividerci“, euer Ronny.
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Donnerstag, 03.09.2009:
Toller Auftakt hebt Stimmung
und macht mir Mut für morgen Na
das fängt ja erstmal gut an für unser Team.
Der überraschende Erfolg von Denis Makarov gegen
den Italiener gestern Vormittag macht schon Mut und zeigt,
dass auch die hoch gehandelten Gastgeber zu schlagen sind.
Die kochen alle nur mit Wasser.
Und was ich gesehen habe, so waren auch die Kampfrichterleistungen
bisher ordentlich. Es wurden sogar Körpertreffer
gewertet, das hat mich schon überrascht. Ansonsten
ziehen sie ihre harte Linie durch, dass nur noch ganz
klare Aktionen gewertet werden.
Es ist ja hier eine Riesenhalle mit 11 000 Zuschauern.
Nein, die sind nicht alle da. Hier verlaufen sich bis
jetzt nur wenige Zuschauer. Aber da bis zum Viertelfinale
in zwei Ringen geboxt wird, ist das vielleicht auch nicht
so schlecht. Dadurch ist es sicher nicht so laut in der
Halle und man kann sich besser auf die unterschiedlichen
Töne des Gongs konzentrieren. Man kann sich da nur
auf das Gefühl und das Gehör verlassen, das
muss ausreichen. Auf so was kann man sich nur schwer vorbereiten.
Meinen Gegner kenne ich nun auch schon etwas vom Vorjahr
aus Athen und Rainer Scharf vom IAT in Leipzig hat ein
Video von ihm. Das werden wir noch studieren.
Ich bin vorgestern beim Training noch zweimal über
die Zeit gegangen. Bin damit recht zufrieden gewesen.
Es wird auch Zeit, dass es los geht für mich. Kann’s
kaum noch erwarten. Ich hoffe ihr drückt mir alle
fest die Daumen! Ich werd mein Bestes geben, das versprech
ich euch. „Arrividerci“
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Mittwoch, 02.09.2009:
„Warten auf Freitag“ ist nervend
So kann's weitergehen. Mit Erik Pfeiffer gab es ja gestern
Abend einen erfolgreichen Auftakt. Das sorgt für
gute Stimmung im Team. Meine war dagegen am Montag nicht
so toll. Erst gestern früh um 7 Uhr habe ich erfahren,
dass ich erst am Freitagvormittag in den Ring darf. Bei
der Auslosung gestern Abend muss es wohl etwas turbulent
und chaotisch zugegangen sein, denn ich durfte nicht mal
mit zur Eröffnungsfeier, weil diese ja bis 23.30
Uhr geplant war.
Und die Trainer wussten davor noch nicht, ob ich nicht
eventuell schon am Dienstagmorgen ran muss. Für mich
war das schon quälend und ich konnte zum wiederholten
Male schlecht schlafen. Hatte ständig Durst, aber
musste mich da wegen dem Gewicht zurückhalten. Naja
wer selbst mal geboxt hat, weiß ja wie man da leidet.
Ist nur schade, da die Eröffnung im von Napoleon
erbauten Amphitheater stattfand. Soll sehr schön
gewesen sein.
Aber nun habe ich erstmal Gewissheit und kann mich zielgerichtet
in Ruhe vorbereiten. Bis Freitag steht erstmal Lockerungstraining
auf dem Programm - ein paar Sprints, Gymnastik und leichte
Handschuh- und Gerätearbeit sowie Schattenboxen.
Und ich muss das Gewicht konstant halten. Dann wird das
schon werden. Wir haben ja feste Trainingszeiten in der
Wettkampfhalle, die nur 6 km weg Richtung Stadtzentrum
liegt. Da fahren ständig Shuttle-Busse. Außerhalb
dieser Zeiten können wir in einem Stadion gleich
am Hotel trainieren. Aber bei der Hitze ist es sehr zäh
und ich fühl mich danach richtig matt.
Ansonsten ist es im Hotel ganz angenehm, alles klimatisiert.
Da ist die Hitze dann erträglich. Insgesamt wird
es ja 564 Kämpfe geben, bis der letzte Weltmeister
im Superschwer feststeht. Der letzte von über 550
Boxern aus 144 Ländern. „Arrividerci“
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Dienstag, 01.09.2009:
Nach Freilos ist "gestandene
Nuss" zu knacken - Weißrusse Vankeyeu als Auftaktgegner
"Ciao a tutti" - Nun ist es endlich raus. Das
Geheimnis um meinen ersten Gegner ist gelüftet und
hoffentlich geht es bald los. Aber ein wenig muss ich
mich ja noch gedulden, denn ich habe in der ersten Runde
erstmal ein Freilos erwischt. Ob gut oder nicht? Das muss
sich herausstellen. Ich muss mich halt erst mal weiter
fit halten, das nervt schon etwas. Momentan weiß
ich aber auch noch nicht, wann ich boxen muss.
Meinen Gegner kenne ich noch nicht. Der Weißrusse
Bato-Munko Vankeyeu ist zwar mit 32 Jahren schon ein alter
Hase, der zwischen 48 und 51 kg immer mal gewechselt hat.
2008 zur EM hat er im Halbfliegen geboxt und wurde dort
Fünfter. Zur letzten WM in Chicago war er auch mit
in meiner Gewichtsklasse dabei und schied im Achtelfinale
aus. Und zur Olympia-Quali im letzten Jahr konnte Marcel
Schneider ihn schlagen. Ich denke, es ist eine lösbare
Aufgabe und es hätte mich härter treffen können.
Mein Gegner hat ja auch ein Freilos gezogen in unserer
Gewichtsklasse, wo 50 Mann antreten. Zum ersten Mal hat
die AIBA auch eine Setzliste bei der Auslosung zum Einsatz
gebracht, die sich an der Weltrangliste und den Olympiaergebnissen
orientierte.
Heute war ja auch schon das erste Wiegen. Es hat alles
prima geklappt. Nur das lange Warten hat etwas genervt,
aber bei rund 700 Athleten ist das ja auch verständlich.
Und es war wieder ein brütend heißer Tag. Tja,
in meinen Fäusten kribbelt es schon mächtig.
Die eine Spannung ist nun zwar raus, aber eigentlich hat
sie sich nur gewandelt.
Ob es nun Losglück ist oder nicht? Ehrlich gesagt,
mich interessiert es überhaupt nicht. Ich muss hier
jeden boxen, der mir vor die Fäuste kommt. Und jeder
Gegner ist ernst zu nehmen, aber auch mich sollte keiner
unterschätzen. Ich weiss, dass mir oftmals nur wenig
zum Sieg gegen namhaftere Gegner fehlte. Ich bin gut drauf
und will das hier auch im Ring beweisen. "Arrividerci"
|
| Montag, 31.08.09:
Herzliche Grüße
aus Mailand....
„Ciao a tutti“! Hallo zusammen aus Mailand in die Heimat.
Ja genau, ein paar kleine Brocken italienisch habe ich
mittlerweile schon drauf. Mit Deutsch kommt man ja nicht
allzuweit hier. Aber keine Angst, ich werde nicht gleich
auf dem Wörterbuch schlafen, hab ja auch noch Hände
und Füße. Einfach mal sehen, was noch alles
dazu kommt in den nächsten 12 Tagen. Auf jeden Fall
viele neue Eindrücke. Ich hoffe es werden auch ein
paar positive für mich dabei sein. Und über
mein kleines Internet-Tagebuch möchte ich euch gern
ein wenig daran teilhaben lassen. Für mich ist das
zwar völliges Neuland, aber warum nicht?
Wir sind vorgestern nach einer strapaziösen Anreise
im Hotel eingecheckt. Das ist hier ein Riesenkomplex mit
fast tausend Appartements, der knapp 20 km außerhalb
Mailands liegt. Die letzten zwei Wochen im französischen
Trainingslager waren noch einmal hart. Da aber in Bugeat
viele Länder vor Ort waren, hatte ich ganz unterschiedliche
Sparringspartner vor den Fäusten. Und das lief alles
ganz gut, wobei die anderen ja auch nur mit Wasser kochen.
Es wird halt wie immer drauf ankommen, locker zu bleiben
und auch ein wenig Glück zu haben, z. B. bei der
Auslosung heute Abend.
Gestern war bei mir auf der Bude richtig was los. Nach
dem ich in Frankreich mit Sandro Schaer auf dem Zimmer
war, teile ich mir hier in Mailand mit Rene Krause das
Zimmer. Und unser Halbschwerer feierte gestern seinen
24. Geburtstag. Aber groß feiern is ja nich. Wir
sind auch alle richtig hibbelig, dass es nun endlich los
geht. Dann werde ich sicher auch meine Mückenstiche
nicht mehr spüren. Es ist hier richtig heiß
und die Biester haben mir schon die Beine zerstochen.
Ich hoffe auch sehr, dass ich diese Nacht etwas besser
schlafen kann. Nach so langer Zeit vermisse ich meine
Familie schon sehr. Aber mit diesem Tagebuch bin ich ja
in Gedanken doch immer noch etwas näher bei euch.
Ich hoffe, ich krieg das alles gebacken, denn wir haben
hier kein Internet auf dem Zimmer und nur den Zugang über
den Hotspot im Hotel.
Bis morgen nun „Arrividerci“ aus Mailand. Morgen weiss
ich ja dann auch schon, wer mein Auftaktgegner sein wird.
Drückt mir mal die Daumen, dass es ne lösbare
Aufgabe wird.
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