"Ronny's WM-Haken" ... live aus Milano

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Ronny's WM-Tagebuch aus Mailand


Hier berichtet unsere "WM-Fliege" Ronny Beblik täglich seine Eindrücke aus Mailand von seiner zweiten WM-Teilnahme.

Sonntag, 13.9.2009:
Bewegendes „Arrividerci“ auf dem WM-Siegerpodest

Ich muss gestehen, das ging unter die Haut. Zur Siegerehrung noch einmal in den Ring klettern zu können, in dem ich mir meinen Traum von einer WM-Medaille erfüllen konnte. Auch wenn nach dem klaren Finalsieg von Mc Williams schon ein bisschen mehr Wehmut über das knappe Scheitern gegen ihn dabei war. Aber das stachelt mich für die kommenden Ziele, wie die EM im kommenden Jahr, umso mehr an. Arroyo Mc Williams hat mir ja vorm Siegerpodest gestanden, dass für ihn unser Fight am Freitag das eigentlich WM-Finale und ich sein schwerster Gegner bei dieser WM war. Das nehme ich dann schon als schönes Kompliment mit. Gefreut hab ich mich aus sehr, dass unser Vereinspräsident Wolfgang Koß extra zum Halbfinale nach Mailand angereist war.

Es war also ein richtig schöner WM-Abschluss gestern in Mailand. Die Freudentränen nach dem Viertelfinale waren schon getrocknet und endlich konnte ich auch meine Bronzemedaille in der Hand halten. Die kann mir jetzt niemand mehr nehmen und sie wird gemeinsam mit der WM-Statue einen Ehrenplatz erhalten.

Das soll nun das Schlusswort aus Mailand sein. Wenn euch mein Tagebuch ein wenig gefallen hat, dann könnt ihr mir das gern sagen. Vielleicht ergibt sich ja wieder mal so eine Gelegenheit, euch auf ein internationales Turnier ein wenig mitzunehmen. Mir hat’s Spaß gemacht, „Arrividerci“ in der Heimat, euer Ronny.

Samstag, 12.12.2009:
Starke „Ultima Ripresa“ von Mailand

Heute ist nun der letzte Tag der WM gekommen. Und es ist ein tolles Gefühl, auch da noch mal „ran“ zu müssen, auch wenn es „nur“ zur Siegerehrung sein wird. Aber mal ehrlich, geträumt hab ich davon, sonst wär ich hier auch am verkehrten Platz gewesen. Doch so recht dran geglaubt…? Viel zu viele Dinge hätten dazwischen kommen können. Aber die Auslosung war okay, ich war fit und konnte das im Ring umsetzen, was ich drauf hab. Auch gestern Abend wieder. Klar, war ich erstmal richtig satt nach dem Kampf. So knapp am Finale vorbei, das tut im ersten Moment schon richtig weh. Aber ich kann zufrieden sein mit meinen Turnierleistungen hier. Ich konnte mich von Kampf zu Kampf steigern. Auch gestern hatte ich wieder genügend Kraft und Luft bis zum Schluss und brauchte hinterher kein Sauerstoffzelt. Vielleicht hätte ich in der letzten Runde noch bissel mehr Dampf machen sollen? Aber laut Order aus der Ecke sollte ich weniger schlagen und versuchen, mehr Akzente zu setzen. Egal jetzt, ich hab eine Medaille und bin glücklich.

Jetzt werd ich erstmal zu Hause bei meiner Familie die Akkus auffüllen müssen. Ende Oktober steht ja auch schon wieder die DM an. Da werd ich dann der Gejagte sein. Nach der WM 2007 in Chicago habe ich vier Wochen später in Wolfenbüttel ja da keine guten Erfahrungen gemacht. Mal schaun, wie ich bis dahin wieder fit werde.
Morgen werd ich euch dann „Arrividerci“ aus Mailand sagen. Ich werd diese WM-Tage immer in guter Erinnerung behalten und weiß, dass viele mir zu Hause in Deutschland die Daumen gedrückt haben. Danke, das hat ja geholfen, wie man sieht. Bis morgen, euer Ronny.

Freitag, 11.9.2009:
Alle guten Wünsche begleiten Ronny in den Ring!

Heute Abend um 20.30 Uhr sind wir in Gedanken bei Ronny im Ring. Sein Halbfinalkampf gegen Arroyo Mc Williams (Puerto Rico) wird sicher sein schwerster, den er bisher zu bestreiten hatte. Die gewiss strapaziösen Kämpfe von Mailand in den Knochen, wird er noch einmal alles mobilisieren. Und zu Hause drücken viele Freunde und Fans und natürlich seine ganze versammelte Familie fest die Daumen. In diesem Sinne: "Mach Dein Ding, Ronny!"

Donnerstag, 10.9.2009:
Mein Traum wurde wahr – Danke fürs Daumendrücken!

„Ciao tutti“ - Es fällt mir wirklich schwer zu beschreiben, wie es mir heute geht. Aber ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich im Moment nur glücklich bin. Wer den Kampf im Internet verfolgt hat, der hat sicher auch meine Freudentränen kullern sehen. Ja es war schon ein ergreifender Moment für mich. Danke auch für die vielen Glückwünsche aus der Heimat. Endlich werde ich mit der Medaille am Sonnabend etwas Greifbares in den Händen halten, als Lohn für all die Mühen und Opfer, die Trennung von meiner Familie... Das ist schon nicht leicht, da gibt es viele Momente, wo man sich fragt…. Ja, dafür hat es sich aber gelohnt. Und ich bin dankbar all jenen, die ihren Anteil daran haben und mich in irgendeiner Weise unterstützt und angefeuert haben und immer an mich geglaubt haben!

Ich freu mich sehr darauf, nächste Woche wieder bei meiner Familie zu sein. Aber erstmal steht morgen noch ein wichtiger Kampf an. Ich kann ganz ohne Druck reingehen, alles ist nun nur noch Draufgabe. Ich hoffe, dass ich um so einen kniffligen Moment wie in Runde eins am Mittwoch herumkomme. Da hab ich bei dem Körperhaken schon mächtig schnaufen müssen. Aber ich hab auf die Zähne gebissen. Ebenso in Runde zwei, als er mich am Oberschenkelansatz erwischte. Die Verwarnung hat ihm wohl dann noch den letzten Nerv gezogen. Und in Runde drei hatte ich noch die nötige Luft, die ich mir immer gewünscht und im Training geholt habe. Ja, ich denke, da haben wir vieles schon richtig gemacht. Es war ja ein bewegtes Jahr mit vielen ungeahnten Veränderungen im Trainingsumfeld in Heidelberg. Aber irgendwie muss es doch für was gut gewesen sein.
Bis morgen mach ich mich nun so gut es geht wieder fit. Am Sonnabend werd ich mich dann hier noch mal melden, so ich Zeit habe dazu...

Ich hoffe, auch wenn das Internet hier im Hotel die letzte Woche außer Gefecht war, hat euch mein kleines Tagebuch ein wenig von der WM rübergebracht. Es war ne willkommene Abwechslung für mich, da hier doch nicht so viele Möglichkeiten zur Ablenkung im Hotel bestanden. Aber ich wollte ja hier auch boxen und nicht Urlaub machen. Den gönn ich mir dann erstmal kurz zu Hause. Aber die DM steht ja im Oktober auch schon vor der Tür. Ich hoffe, wir sehen uns dann zu den Ostdeutschen Meisterschaften in Chemnitz alle wieder. „Arrividerci“ , euer Ronny.

Mittwoch, 9.9.2009:
Daumendrücken für Ronny

Heute steht "lediglich" Daumendrücken für Ronny auf dem Programm. Kein schwieriges Programm für seine Fans, aber Ronny wird wie immer sein Bestes geben. Eine Medaille bei der WM wäre sein großer Traum. Erfüllen muss er ihn sich allerdings selber. "Hau rein, Ronny."

Dienstag, 8.9.2009:
Tja, so könnte es morgen weitergehen...

So, heute kann ich mich wieder bei euch melden. Zwar ist das Internet hier immer noch im Winterschlaf, aber per Telefon geht ja auch was.
Heute geht’s mir erstmal richtig gut. Bis auf ein paar kleine Wehwehchen, aber wofür ist man Boxer. :-) Und nach einem Sieg sind die auch nur halb so wild, da überwiegt einfach nur die Freude.
Ich hatte heut ein gutes Gefühl, schon vor dem Kampf. Es lief auch gleich prima, auch wenn ich manchmal hätte noch besser über die Führhandseite rausgehen können. Dass es knapp werden würde, war klar. Am Ende musste ich auf Nummer sicher gehen, da mich der Bulgare noch mal kurz vor Schluss getroffen hatte und ich nen Kopfstoß abbekam. Aber der Zahn ist noch dran:-) Das hat mich schon bissel irritiert für einen Moment.

Schön, dass wir Deutschen nun im Viertelfinale noch zu fünft sind. Und auch unsere Bude ist ja noch komplett im Rennen. Morgen wird’s natürlich sehr schwer. Ich hoffe, ich kann mich gut regenerieren. Mal schaun, was da noch drin ist hier? Eine Medaille wäre sicher riesig, aber ich setz mich nicht unter Druck. Neuer Kampf, neues Glück.

Morgen kann ich mich daher nicht für euch melden, da ich erst abends boxe. Vergesst aber bitte das Daumendrücken nicht. Dann „Arrividerci“, bis Freitag, euer Ronny.

Montag, 07.09.2009:
"Blauer Montag" in Mailand

Heute kann es leider keinen Beitrag aus Mailand geben. Grund dafür ist, dass sich das Internet im Mailänder Hotel einen "blauen Montag" genommen hat. Hoffen wir, dass die Auszeit nicht zu lange andauert und wünschen wir Ronny für seinen morgigen Kampf "Alles Gute"!

Sonntag, 06.09.2009:
WM-Kämpfe mit zumeist fairen Urteilen bisher

Heute ist "Bergfest" hier in Mailand und so langsam setzt das Kribbeln bei mir wieder ein. Aber das ist gut so. Ich freu mich auf den nächsten Kampf. Auch dass unser Zimmer noch komplett im Turnier ist, da Rene Krause heute auch gewonnen hat, ist prima. Das ist immerhin schon besser als 2007 in Chicago, als Rustam Rachimov gleich im ersten Kampf die Segel streichen musste.

Auch wenn Sandro Schaer vom Kampfgericht gegen den Kubaner heute nicht gerade bevorteilt wurde, so muss ich schon sagen, dass die Urteile, welche ich gesehen habe, doch ziemlich fair waren. Vielleicht hat es ja doch was gebracht, dass man die Kampfrichter über längere Zeit beobachtet und gezielt für die WM ausgewählt hat. Mal sehen ob das alles so bleibt?

Auf die neue Punktweise, nur noch klare explosive Hände zu werten, haben wir uns ja versucht im Training einzustellen: weniger aber dafür akzentuiertere Aktionen zu schlagen. Dadurch kommen natürlich auch viel knappere Punkturteile zustande. Die Zeiten, wo Punktrichter glaubten an der Klaviertastatur zu sitzen, sind damit erstmal vorbei.

Da fühlt man sich als Athlet dann auch besser und kann auf ein gerechtes Urteil hoffen. Sicher, Fehlurteile wird es immer wieder mal geben, aber bei einer WM sollte das schon nicht passieren. Es kommt halt viel auf die gute (Doppel-)Deckung an. Da soll ja mein nächster Gegner nicht schlecht drin sein. Aber es gibt auch Mittel diese Deckung löchrig zu machen. Darüber wird ich jetzt mal nachdenken… Bis morgen, euer Ronny

Samstag, 05.09.2009:
Ich nehm euch mal mit …. zum Frühsport! :-)

Frech, was? Aber wenn ich hier schon ein Tagebuch schreibe, sollt ihr auch was davon haben. :-.) Also ihr dürft auch mal morgen, ja genau, auch zum Sonntag, um 7.30 Uhr aufstehen. Nee, quatsch, da steht ihr ja schon unten vorm Hotel auf der Matte. Nicht geschniegelt und gebügelt, aber voller …? …ja genau Tatendrang. Unsere Coaches Vladimir Pletnev und Micha Stachewicz sind dann unsere „Vorturner“ und wollen uns den „Treibsand“ aus den Augen reiben.
Naja nicht jedermanns Sache, aber auch da geht’s durch. Da lob ich mir die Tage wo ich boxen muss, da biste von der Aktion befreit.

Nach dem kleinen Frühsport wird dann immer noch der Tagesablauf im Team besprochen. Danach steht dann das Frühstück auf dem Programm. Zur Verpflegung werd ich sicher an einem der nächsten Tage mal noch was schreiben. Nur soviel: Boxerkost.

Nach dem Frühstück steht dann meist erstmal Training auf dem Programm. Ansonsten die Zeit vertreiben oder ich gehe ins Internet und kabele mein Tagebuch über die Alpen und spreche mit meiner Familie zu Hause. Dann Mittagessen und wenn’s passt mit zur Halle fahren um die andren anzufeuern. Aber auch Regeneration steht auf dem Programm. Da bin ich dann bei unserer Physiotherapeutin und lass mich mal richtig durchkneten.

Abends bin ich dann meist im Internet, um mich mit meiner Freundin zu schreiben. So bin ich wenigstens immer auf dem Laufenden, was zu Hause so passiert. Aber Heimweh ist nach den mittlerweile drei Wochen auf Achse dennoch da, nach meinen zwei Kindern und der Familie. Da hilft nur die Tage zu zählen. :-)
Ansonsten ist hier nicht viel los, das Hotel liegt ja sehr weit außerhalb der Stadt. Da bleibt keine Zeit für Stadtbummel oder so. Würde viel zu viel Zeit beanspruchen, um in die Stadt zu kommen. Da tut bissel Ablenkung wie das Tagebuch schreiben schon ganz gut…
So, seit einer Stunde müssen wir auf dem Zimmer sein und jetzt ist es 23 Uhr, Zapfenstreich bei uns. Bis morgen, euer Ronny.

Freitag, 04.09.2009:
WM-Auftaktsieg beinahe „verschlafen“

Das ging ja gerade noch mal gut. Nein, ich meine nicht meinen Sieg. Mit 14:8 ist der ja nach ausgeglichenen zweieinhalb Runden noch recht deutlich geworden und ich kann mich richtig freuen darüber. Aber fast hätte ich meinen ersten WM-Kampf in Mailand verpennt. Ich hatte den Wecker etwas spät gestellt und so wurde es bis zur Abfahrt zur Wettkampfhalle ganz schön stressig für mich.

Aber wer weiß für was es gut war? :-) Ich bin jetzt erstmal froh, dass ich die erste Nuss geknackt habe. Und sie war schon ganz schön hart. Aber ich habe versucht, es ruhig und mit Übersicht anzugehen. Klar, ich war noch etwas nervös, auch durch seine Aufwärtshaken. Aber ich hatte genügend Luft und konnte so am Ende nochmal richtig was drauf packen. Und ein wenig Glück hatte ich mit der Verwarnung freilich auch, das muss ich zugeben. Die Verwarnung eine Minute vor Schluss hat dem Weißrussen sichtlich den Zahn gezogen und ich konnte meine Vorteile auf der Distanz deutlich ausspielen.

Die Vorbereitung auf den Kampf verlief gut. Ich hatte am Donnerstag noch mal drei Runden gegen einen Chinesen gesparrt. Das lief richtig gut. Ich war explosiv und schnell auf den Beinen. Aber Wettkampf und Sparring sind eben zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich bin froh, was zur guten Stimmung im Team beigetragen zu haben. Ich hoffe, wir können die noch eine Weile so behalten. Das lässt auch die Trennung von zu Hause um einiges leichter ertragen.

Achja, vielen Dank für die Glückwünsche aus der Heimat und das Daumendrücken!! Ihr könnt euch jetzt bis Dienstag mal zurücklegen. Ich werd auch erstmal bissel regenerieren und die Speichervorräte wieder auffüllen. Meinen nächsten Gegner habe ich mir aber noch nicht angeschaut. Ich weiß nur, dass es ein Bulgare ist, der aus sehr geschlossener Deckung boxt. Bisher soll er noch ohne WM-Gegentreffer sein. Das sagt zwar einiges, aber das wird nicht so bleiben. Darauf könnt ihr euch verlassen. „Arrividerci“, euer Ronny.

Donnerstag, 03.09.2009:
Toller Auftakt hebt Stimmung und macht mir Mut für morgen

Na das fängt ja erstmal gut an für unser Team. Der überraschende Erfolg von Denis Makarov gegen den Italiener gestern Vormittag macht schon Mut und zeigt, dass auch die hoch gehandelten Gastgeber zu schlagen sind. Die kochen alle nur mit Wasser.

Und was ich gesehen habe, so waren auch die Kampfrichterleistungen bisher ordentlich. Es wurden sogar Körpertreffer gewertet, das hat mich schon überrascht. Ansonsten ziehen sie ihre harte Linie durch, dass nur noch ganz klare Aktionen gewertet werden.

Es ist ja hier eine Riesenhalle mit 11 000 Zuschauern. Nein, die sind nicht alle da. Hier verlaufen sich bis jetzt nur wenige Zuschauer. Aber da bis zum Viertelfinale in zwei Ringen geboxt wird, ist das vielleicht auch nicht so schlecht. Dadurch ist es sicher nicht so laut in der Halle und man kann sich besser auf die unterschiedlichen Töne des Gongs konzentrieren. Man kann sich da nur auf das Gefühl und das Gehör verlassen, das muss ausreichen. Auf so was kann man sich nur schwer vorbereiten.

Meinen Gegner kenne ich nun auch schon etwas vom Vorjahr aus Athen und Rainer Scharf vom IAT in Leipzig hat ein Video von ihm. Das werden wir noch studieren.

Ich bin vorgestern beim Training noch zweimal über die Zeit gegangen. Bin damit recht zufrieden gewesen. Es wird auch Zeit, dass es los geht für mich. Kann’s kaum noch erwarten. Ich hoffe ihr drückt mir alle fest die Daumen! Ich werd mein Bestes geben, das versprech ich euch. „Arrividerci“

Mittwoch, 02.09.2009:
„Warten auf Freitag“ ist nervend

So kann's weitergehen. Mit Erik Pfeiffer gab es ja gestern Abend einen erfolgreichen Auftakt. Das sorgt für gute Stimmung im Team. Meine war dagegen am Montag nicht so toll. Erst gestern früh um 7 Uhr habe ich erfahren, dass ich erst am Freitagvormittag in den Ring darf. Bei der Auslosung gestern Abend muss es wohl etwas turbulent und chaotisch zugegangen sein, denn ich durfte nicht mal mit zur Eröffnungsfeier, weil diese ja bis 23.30 Uhr geplant war.
Und die Trainer wussten davor noch nicht, ob ich nicht eventuell schon am Dienstagmorgen ran muss. Für mich war das schon quälend und ich konnte zum wiederholten Male schlecht schlafen. Hatte ständig Durst, aber musste mich da wegen dem Gewicht zurückhalten. Naja wer selbst mal geboxt hat, weiß ja wie man da leidet. Ist nur schade, da die Eröffnung im von Napoleon erbauten Amphitheater stattfand. Soll sehr schön gewesen sein.
Aber nun habe ich erstmal Gewissheit und kann mich zielgerichtet in Ruhe vorbereiten. Bis Freitag steht erstmal Lockerungstraining auf dem Programm - ein paar Sprints, Gymnastik und leichte Handschuh- und Gerätearbeit sowie Schattenboxen. Und ich muss das Gewicht konstant halten. Dann wird das schon werden. Wir haben ja feste Trainingszeiten in der Wettkampfhalle, die nur 6 km weg Richtung Stadtzentrum liegt. Da fahren ständig Shuttle-Busse. Außerhalb dieser Zeiten können wir in einem Stadion gleich am Hotel trainieren. Aber bei der Hitze ist es sehr zäh und ich fühl mich danach richtig matt.
Ansonsten ist es im Hotel ganz angenehm, alles klimatisiert. Da ist die Hitze dann erträglich. Insgesamt wird es ja 564 Kämpfe geben, bis der letzte Weltmeister im Superschwer feststeht. Der letzte von über 550 Boxern aus 144 Ländern. „Arrividerci“

Dienstag, 01.09.2009:
Nach Freilos ist "gestandene Nuss" zu knacken - Weißrusse Vankeyeu als Auftaktgegner

"Ciao a tutti" - Nun ist es endlich raus. Das Geheimnis um meinen ersten Gegner ist gelüftet und hoffentlich geht es bald los. Aber ein wenig muss ich mich ja noch gedulden, denn ich habe in der ersten Runde erstmal ein Freilos erwischt. Ob gut oder nicht? Das muss sich herausstellen. Ich muss mich halt erst mal weiter fit halten, das nervt schon etwas. Momentan weiß ich aber auch noch nicht, wann ich boxen muss.

Meinen Gegner kenne ich noch nicht. Der Weißrusse Bato-Munko Vankeyeu ist zwar mit 32 Jahren schon ein alter Hase, der zwischen 48 und 51 kg immer mal gewechselt hat. 2008 zur EM hat er im Halbfliegen geboxt und wurde dort Fünfter. Zur letzten WM in Chicago war er auch mit in meiner Gewichtsklasse dabei und schied im Achtelfinale aus. Und zur Olympia-Quali im letzten Jahr konnte Marcel Schneider ihn schlagen. Ich denke, es ist eine lösbare Aufgabe und es hätte mich härter treffen können. Mein Gegner hat ja auch ein Freilos gezogen in unserer Gewichtsklasse, wo 50 Mann antreten. Zum ersten Mal hat die AIBA auch eine Setzliste bei der Auslosung zum Einsatz gebracht, die sich an der Weltrangliste und den Olympiaergebnissen orientierte.

Heute war ja auch schon das erste Wiegen. Es hat alles prima geklappt. Nur das lange Warten hat etwas genervt, aber bei rund 700 Athleten ist das ja auch verständlich. Und es war wieder ein brütend heißer Tag. Tja, in meinen Fäusten kribbelt es schon mächtig. Die eine Spannung ist nun zwar raus, aber eigentlich hat sie sich nur gewandelt.

Ob es nun Losglück ist oder nicht? Ehrlich gesagt, mich interessiert es überhaupt nicht. Ich muss hier jeden boxen, der mir vor die Fäuste kommt. Und jeder Gegner ist ernst zu nehmen, aber auch mich sollte keiner unterschätzen. Ich weiss, dass mir oftmals nur wenig zum Sieg gegen namhaftere Gegner fehlte. Ich bin gut drauf und will das hier auch im Ring beweisen. "Arrividerci"

Montag, 31.08.09:
Herzliche Grüße aus Mailand....

„Ciao a tutti“! Hallo zusammen aus Mailand in die Heimat. Ja genau, ein paar kleine Brocken italienisch habe ich mittlerweile schon drauf. Mit Deutsch kommt man ja nicht allzuweit hier. Aber keine Angst, ich werde nicht gleich auf dem Wörterbuch schlafen, hab ja auch noch Hände und Füße. Einfach mal sehen, was noch alles dazu kommt in den nächsten 12 Tagen. Auf jeden Fall viele neue Eindrücke. Ich hoffe es werden auch ein paar positive für mich dabei sein. Und über mein kleines Internet-Tagebuch möchte ich euch gern ein wenig daran teilhaben lassen. Für mich ist das zwar völliges Neuland, aber warum nicht?

Wir sind vorgestern nach einer strapaziösen Anreise im Hotel eingecheckt. Das ist hier ein Riesenkomplex mit fast tausend Appartements, der knapp 20 km außerhalb Mailands liegt. Die letzten zwei Wochen im französischen Trainingslager waren noch einmal hart. Da aber in Bugeat viele Länder vor Ort waren, hatte ich ganz unterschiedliche Sparringspartner vor den Fäusten. Und das lief alles ganz gut, wobei die anderen ja auch nur mit Wasser kochen. Es wird halt wie immer drauf ankommen, locker zu bleiben und auch ein wenig Glück zu haben, z. B. bei der Auslosung heute Abend.

Gestern war bei mir auf der Bude richtig was los. Nach dem ich in Frankreich mit Sandro Schaer auf dem Zimmer war, teile ich mir hier in Mailand mit Rene Krause das Zimmer. Und unser Halbschwerer feierte gestern seinen 24. Geburtstag. Aber groß feiern is ja nich. Wir sind auch alle richtig hibbelig, dass es nun endlich los geht. Dann werde ich sicher auch meine Mückenstiche nicht mehr spüren. Es ist hier richtig heiß und die Biester haben mir schon die Beine zerstochen.

Ich hoffe auch sehr, dass ich diese Nacht etwas besser schlafen kann. Nach so langer Zeit vermisse ich meine Familie schon sehr. Aber mit diesem Tagebuch bin ich ja in Gedanken doch immer noch etwas näher bei euch. Ich hoffe, ich krieg das alles gebacken, denn wir haben hier kein Internet auf dem Zimmer und nur den Zugang über den Hotspot im Hotel.
Bis morgen nun „Arrividerci“ aus Mailand. Morgen weiss ich ja dann auch schon, wer mein Auftaktgegner sein wird. Drückt mir mal die Daumen, dass es ne lösbare Aufgabe wird.